Demobeitrag zur Gegendemonstration der „Demo für Alle“ 2014

Heute demonstrieren die selbsternannten „besorgten Eltern“ unter anderem dagegen, dass in KiTas und Schulen mit Kindern und Jugendlichen sexualpädagogisch gearbeitet wird. Sie fürchten, dass diese mit scham- und persönlichkeitsverletzendem Material konfrontiert werden. In ihrem Sinne ist das alles, was nicht der vermeintlich normalen „Mutter, Vater, Kind-Familie“ entspricht. Dazu ist aus Sicht der Sozialen Arbeit folgendes zu sagen: 

Sexualpädagogik ist Teil von Jugendarbeit und Schulsozialarbeit. Sie knüpft an die Lebenswelten von Jugendlichen an. Sie ist für alle Jugendlichen da und nicht nur für diejenigen, die vermeintlicher Normalität entsprechen. Wir können davon ausgehen , dass wir in ausnahmslos jeder Schulklasse mehrere Schülerinnen und Schüler finden, die nicht den heteronormativen Idealen dieser „besorgten Eltern“ entsprechen.

Jugendliche haben das Recht auf selbstbestimmte Sexualität. Dazu gehören unter anderem
– das Recht, Sexualität zu leben
– das Recht, über Verhütungsmittel informiert zu werden und sie zu nutzen
– das Recht, vor sexueller Gewalt geschützt zu werden
– und das Recht, vor Krankheiten geschützt zu werden.

Diese Rechte stehen allen Jugendlichen zu, unabhängig von ihrer geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung.

Jugendliche sind unterschiedlich. Sie leben mit einem, zwei, drei oder mehr oder keinem Elternteil. Sie sind schwul, lesbisch, bi, heteo oder asexuell oder nichts davon oder alles zugleich.

Grund zur Sorge bietet dabei nicht die Vielfalt an sich, sondern die Diskriminierungen und die Gewalt, die Jugendliche ausgesetzt sind, sobald sie nicht den heteronormativen Idealen entsprechen – seitens von anderen Jugendlichen oder Erwachsenen, in allen gesellschaftlichen Bereichen.

Deswegen ist es wichtig, zu einem Klima beizutragen, in dem alle lieben können und leben können, wie sie es wollen, ohne Ausgrenzung und Gewalt befürchten zu müssen. Es ist eine Aufgabe der Sexualpädagogik, das Klima in den Schulen und in der Gesellschaft so zu verändern, dass niemand aufgrund seiner sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität benachteiligt wird. Dafür ist es notwendig, offen mit den Schüler_innen über alles zu sprechen, was sie bewegt.

Und da brauchen wir uns nichts vormachen: Sexualität ist Teil der Lebenswelt von Jugendlichen. Mit 14 Jahren hatte der Großteil von ihnen bereits Kontakt mit Pornografie. Und selbstverständlich ist es deswegen eine gute Idee, auch mit ihnen darüber zu sprechen und bspw. die frauenverachtenden Praktiken zu thematisieren, die sich leider in den meisten Pornofilmen finden.

Die angeblich „besorgten Eltern“ sind der Ansicht, dass Jugendliche Orientierung brauchen. Diese schafft man jedoch nicht, in dem man drei Viertel der Realität ausblendet! Sexualpädagogik funktioniert nicht, wenn sie von der Heterosexualität aller Teilnehmenden ausgeht. Es ist ihre Aufgabe, Vielfalt als bereichernd und horizonterweiternd erlebbar zu machen. Sie bietet Möglichkeiten, eigene Meinungen und Haltungen zu reflektieren. Sie geht respektvoll und wertschätzend mit unterschiedlichen Meinungen und Werten um. Dabei thematisiert sie auch Herrschaftsverhältnisse und Diskriminierung. Das ist notwendig, um ihrem Auftrag gerecht zu werden: Menschen auf dem Weg zu sexueller Selbstbestimmung und Verantwortlichkeit zu begleiten.

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