Stellungnahme an FairFacility von Mai 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mitte März 2016 wurde der Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit (AKS) Hannover über einen rassistischen Vorfall in der Unterkunft der ehemaligen Paul-Dohrmann-Schule im Burgweg informiert. 

Es wurde berichtet, dass am 13.03.2016 gegen 18:00 Uhr zum wiederholten Male der Feueralarm ausgelöst wurde und über zwanzig Minuten klingelte. Aufgrund des Rauches, der von der Straße aus zu sehen war, sprachen zwei Personen unabhängig voneinander Beschäftigte des Securitydienstes im Gebäude an, ob es brennen würde. Diese erklärten, es sei alles in Ordnung: „Das sind die Kinder – alles Zigeuner“. Das seien Un-menschen/ keine Menschen: „Ich würde die alle verbrennen lassen. Aber das ist ja nicht erlaubt.“ Weiterhin sagte einer: „Schlagen und Verbrennen darf ich sie nicht, das wäre unmenschlich.“ 

Es mag überflüssig erscheinen zu erläutern, dass derartiges Verhalten und die Aussagen der Securitys zutiefst rassistisch und menschenverachtend sind. Dennoch weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass:
– damit an nationalsozialistische Ideologie sowie Massenvernichtung angeknüpft wird. Das Verhalten der Securitys ist zudem Ausdruck einer allgegenwärtigen rassistischen Stimmungsmache der Mehr-heitsgesellschaft.
– es der Aufgabe eines Sicherheitsdienstes entgegensteht, in einer Einrichtung für zahlreiche – teils traumatisierte – Erwachsene und Kinder den Feueralarm absichtlich lange Zeit schrillen zu lassen.
– es der Schutzauftrag bei der Unterbringung gebietet solche menschenfeindlichen Haltungen und Äu-ßerungen nicht zuzulassen.

Aus anderer Quelle haben wir zudem von den Arbeitsbedingungen mancher Sozialarbeiter*innen bei FAIR FACILITY Management GmbH erfahren. Für eine Vollzeitstelle von 38,5 Stunden in einer Gemeinschaftsun-terkunft zahlt das Unternehmen dem Vernehmen nach einen Bruttolohn von circa 1.800 €. Darüber hinaus wurde uns zugetragen, dass ein*er vollzeitbeschäftigten Sozialarbeiter*in lediglich 20 Urlaubstage zugestan-den werden.
Es ist offensichtlich, dass solche Arbeitsbedingungen für einen akademischen Beruf unangemessen und weit unterdurchschnittlich sind. Aus Sicht des AKS Hannover liegen hier sittenwidrige Beschäftigungsverhältnisse vor. 

Als AKS Hannover setzen wir uns gegen jede Form von Diskriminierung, Ausbeutung, Unterdrückung, Unge-rechtigkeit sowie Demütigung ein und zeigen uns solidarisch mit den Nutzer*innen sowie Praktiker*innen Sozialer Arbeit. Wir machen auf Missstände im Kontext Sozialer Arbeit und ihrer Institutionen aufmerksam und fordern deren Verbesserung. Die beschriebenen Situationen und Bedingungen in den Gemeinschaftsun-terkünften stehen in direktem Zusammenhang mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen, in die wir uns als kritische Sozialarbeiter*innen einmischen müssen.
Wir fordern vom Betreiber und insbesondere der Landeshauptstadt sowie der Ratspolitik:
– eine Auseinandersetzung vom Betreiber und der LHH mit dem beschriebenen rassistischen Vorfall vom 13.03.2016.
– eine Anhebung der Standards für die Beschäftigung von Sozialarbeiter*innen in Gemeinschaftsun-terkünften und die Beendigung von ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen.
– die Sicherung einer menschenwürdigen und diskriminierungsfreien Unterbringung für alle Nut-zer*innen Sozialer Arbeit.
– dass Träger von Gemeinschaftsunterkünften über ausgewiesene wissenschaftsbasierte fachliche Be-treuungs-und Unterbringungskonzepte verfügen müssen.
– eine umfassende Überprüfung der hannoverschen Kriterien zur Vergabe von Verträgen für Gemein-schaftsunterkünfte und in der Konsequenz keine sozialarbeitsrelevanten Aufträge an FAIR FACILITY Management GmbH.
– eine politische Diskussion über die Unterbringungsstandards und deren verbindliche Umsetzung durch die Verwaltung.
– die regelmäßige Kontrolle der Umsetzung von vertraglich und konzeptionell vereinbarten Aufgaben.

Der AKS Hannover ist ein Zusammenschluss von Praktiker*innen, Studierenden und Lehrenden der Sozialen Arbeit aus dem gesamten Stadtgebiet mit unterschiedlichsten Tätigkeits- und Forschungsschwerpunkten. Mit diesem Schreiben will der Arbeitskreis eine Diskussion und Auseinandersetzung zwischen den verantwort-lichen Akteur*innen anstoßen und erwartet entsprechende Konsequenzen.

Zu Zwecken der Dokumentation behalten wir uns vor die Entwicklungen dieser Angelegenheit zu veröffentli-chen.

Mit freundlich-kritischen Grüßen

AKS Hannover

Reaktionen:

Antwort der SPD vom 07.07.2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihr o.a. Schreiben haben wir der Verwaltung der Landeshauptstadt Hannover vorgelegt und um Aufklärung der von Ihnen dargelegten Vorgänge gebeten.
Dies ist mittlerweile geschehen.

Danach ist es tatsächlich im März zu Zwischenfällen in der Unterkunft Burgweg gekommen, und offenbar sind BewohnerInnen der Unterkunft von Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes dabei beschimpft worden. Rassistische Äußerungen werden allerdings von den Beteiligten bestritten, und sie lassen sich weder von der Verwaltung noch vom Betreiber der Unterkunft verifizieren.
Allerdings hat der Betreiber der Unterkunft, die Fa. Fair Facility, die von ihm beauftragte Sicherheitsfirma gebeten, die in die Zwischenfälle verwickelten Mitarbeiter nicht mehr in Unterkünften zu beschäftigen. Die Verwaltung der LHH hat darüber hinaus von Fair Facility verlangt, dass die betreffenden Mitarbeiter in keiner Unterkunft in Hannover beschäftigt werden und künftig bei der Auswahl des Sicherheitspersonals dafür Sorge getragen wird, dass derartige Zwischenfälle nicht mehr vorkommen.

Gemeinsam mit der Verwaltung halten wir es für nicht hinnehmbar, dass BewohnerInnen von Unterkünften in irgendeiner Weise herabgewürdigt oder diskriminiert werden.
Mit unseren Anträgen zu den Grundsätzen für die Unterbringung in Unterkünften haben wir den Grundstock dafür gelegt, dass in unserer Stadt eine menschenwürdigte Unterbringungen und eine vernünftige sozialarbeiterische Betreuung in den Unterkünften gewährleistet wird. Die Verwaltung hat dies jüngst mit ihrer Verwaltungsvorschrift zur Unterbringung um Vorschriften zum Gewaltschutz etc. ergänzt.

Wir lassen uns in der Fraktion wie auch in den Ratsgremien anhaltend zur Situation in den Unterkünften in der LHH berichten.

Mit freundlichen Grüßen
i.A. Marc-Dietrich Ohse

***

Antwort Grüne vom 27.05.2016

Sehr geehrte Mitglieder des AKS Hannover, 

wir bedanken uns herzlich für die Information und sind bereits mit der Stadtverwaltung in Kontakt getreten, um herauszufinden, ob der Vorfall bekannt ist und welche Folgen er hatte bzw. haben wird. 

Auch wir sind sehr daran interessiert, keine rassistisch agierenden Menschen unter den Betreiber*innen unserer Unterkünfte bzw. deren Angestellten zuzulassen. 

Wir bitten deshalb darum, dass sich Zeug*innen des rassistischen Vorfalls am 13.03.2016 gegen 18 Uhr bei der Stadtverwaltung und zwar namentlich Herrn Schalow, Bereichsleiter Stadterneuerung und Wohnen, Tel. 168-42802, marc.schalow@hannover-stadt.de, melden und direkt berichten, damit Schritte eingeleitet werden können. 

Falls Interesse daran besteht, sind wir gerne zu einem persönlichen Gespräch bereit bzw. begleiten ein etwaiges Gespräch mit den Mitarbeiter*innen der genannten Stelle persönlich. 

Mit freundlichen Grüßen
Freya Markowis

***

Briefwechsel mit Fair Facility (25.05.2016)

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre E-Mail vom heutigen Tage.

Gerne würden wir mit Ihnen in einem persönlichen Gespräch die von Ihnen formulierten Kritikpunkte erörtern, um gemeinsame Veränderungsvorschläge zu erarbeiten.

Aus diesem Grunde laden wir Sie gern kurzfristig zu einem Gespräch in unsere Zentrale Berliner Str. 1, 30916 Isernhagen ein.
Unsere Terminvorschläge:

06.06.2016, 07.06.2016, 09.06.2016 jeweils um 11:00 Uhr, alternativ um 15:00 Uhr.

In Erwartung derer möglichst kurzfristigen Rückantwort verbleiben wir

mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Uwe Haberland

02.06.2016
Sehr geehrter Herr Haberland,

wie in unserer Stellungnahme, die zur Kenntnis an die betreffenden Stellen bei der Landeshauptstadt Hannover, die Ratsfraktionen sowie verschiedene Selbstorganisationen ging, formuliert, fordern wir Prozesse innerhalb der Institutionen sowie zwischen der Politik/Verwaltung als Arbeitgeber*in und Auftraggeber*in und Trägern. Aus diesem Grund sehen wir keinen Bedarf eines Gesprächs mit uns.
Wir freuen uns aber über Informationen zu stattfindenden Diskussionen und Maßnahmen.

Mit freundlich-kritischen Grüßen
AKS Hannover

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