Willkür unter dem Deckmantel der Mitmenschlichkeit

Anlässlich skandalöser Arbeitsbedingungen bei einem DRK-Tochterunternehmen verteilten wir am 22.12.2016 gemeinsam mit Mitgliedern der Basisgewerkschaft Freie Arbeiter_innen Union (FAU) und der Gewerkschaft Gesundheit und Sozialberufe (GGB) Flugblätter vor dem Blutspendemobil des DRK auf dem Steintorplatz. Das Interesse und Echo seitens der Passant_innen und Blutspender_innen war erfreulich groß.

Das DRK genießt einen guten Ruf in Deutschland. Im ganzen Land gibt es kleinere und größere Einrichtungen, Pflegestützpunkte, Krankenhäuser, Wohnheime, Kreisverbände usw. Man bekommt ein gutes Gewissen für einen Mitgliedsbeitrag, man kann Blut spenden für die gute Sache und überall helfen die Wohltäter_innen mit dem roten Kreuz. Aber wie sieht es hinter den Kulissen aus? 
In Hannover erhielt die DRK Soziale Dienste gGmbH in den letzten beiden Jahren den Zuschlag für das Betreiben von über einem Dutzend Flüchtlingsheimen. Ein lukratives Geschäft, denn die Stadt stellt viel Geld zur Verfügung, um geflüchteten Menschen die nötige Hilfe zu geben. Ob die kommunalen Gelder für angemessene, gerechte Arbeitsbedingungen eingesetzt werden, erscheint bei vielen Betreiber_innen allerdings fraglich.
Das DRK Soziale Dienste in Hannover ist ein Beispiel dafür. Anfangs boomte das Geschäft mit den Notunterkünften. Eine Einrichtung nach der anderen wurde geöffnet, Sozialarbeiter_innen händeringend gesucht. Diese Zeiten sind vorbei. Es kommen nicht mehr so viele Flüchtlinge bis nach Deutschland. Es wird versucht, größere Einrichtungen durch mehrere kleinere zu ersetzen. Anstatt Konzepte zur weiteren Integration und Unterstützung der Geflüchteten nach ihrer Zeit in Einrichtungen zu erarbeiten, versucht das DRK Soziale Dienste, Beschäftigte loszuwerden.
Aber erst nachdem die Presse die Kürzungspläne öffentlich gemacht hatte, wurden diese auch den Beschäftigten bekannt. Stellen in der Fachberatung und in der mittleren Leitungsebene wurden gekürzt. Ein Absenken fachlicher Standards wurde billigend in Kauf genommen. Anfang November wurden Mitarbeiter_innen spontan in die Zentrale des DRK gerufen. Den meisten wurde direkt eine Kündigung ausgesprochen, anderen wurde diese angekündigt. Wieder andere wurden verunsichert, indem man sie im Urlaub anrief und mitteilte, dass sie ggf. von einer Kündigung betroffen seien. Diese betriebsöffentliche Kollektivkündigung erscheint als ein Versuch, die Belegschaft einzuschüchtern.
Es ist kaum verwunderlich, dass die Geschäftsführung des DRK Soziale Dienste nicht begeistert war, als in der Belegschaft die Schaffung eines Betriebsrats angestoßen wurde. Mit großem Eifer wurde versucht, den Wahlvorstand zu verunsichern, indem die formale Korrektheit der Wahl angezweifelt wurde. Die Wahl werde angefochten und für ungültig erklärt werden, so die Prognose der Geschäftsführung. Wie angekündigt, hat die Geschäftsführung nun die Wahl angefochten, als Grund muss die Briefwahl herhalten. Den Eindruck, der Betriebsrat soll mit allen Mitteln möglichst lange von der Arbeit abgehalten werden, wird hier wieder einmal bestätigt.
Wir fordern:
Die willkürlichen Schikanen im DRK Soziale Dienste müssen aufhören. Als Geldgeberin muss die Landeshauptstadt Hannover kontrollieren, dass in den Einrichtungen fachlich und arbeitsrechtlich gute Standards gehalten werden.
Das DRK muss dafür sorgen, dass seine Angestellten sichere Perspektiven haben. Die Angestellten sollen sich ungehindert organisieren dürfen!

Weitere Informationen:
Flugblatt DRK

Labournet Germany

Leinehertz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstellt mit WordPress.com.

Nach oben ↑

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: