Anhörung zu sozialarbeiterischen Standards in Gemeinschaftsunterkünften

Soziale Arbeit in Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete –
AKS fordert fachliche, an Menschenrechten orientierte Standards

In einer gemeinsamen Anhörung von Bauausschuss, Gleichstellungsausschuss, Sozialausschuss und Internationalem Ausschuss der Stadt Hannover zu „Sozialarbeiterischen Standards in Flüchtlingsunterkünften“ am 16. August 2017 setzte sich der Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit Hannover (AKS) für die Formulierung einheitlicher professioneller Standards für die Arbeit in den hannoverschen Gemeinschaftsunterkünften ein. Außerdem forderte er die Einrichtung unabhängiger Beschwerdestellen für Bewohner*innen und Beschäftigte. 

Gemeinsam mit der Gewerkschaft Gesundheits- und Soziale Berufe Hannover (GGB) hatte sich der AKS im März 2017 mit einer Stellungnahme an die Ratsfraktionen von SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke gewandt, um auf die Missstände hinzuweisen, die sich auf Arbeitsbedingungen und fachliche Ausgestaltung der Sozialen Arbeit in Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete beziehen.

Nach Auffassung des AKS sind die bestehenden Grundsätze über den Betrieb von Aussiedler- und Flüchtlingswohnheimen in der Landeshauptstadt für eine vom Menschen ausgehende, ermächtigende und vor allem an der Würde des Menschen orientierte Praxis nicht ausreichend. Daher forderte der AKS einheitliche Standards und Konzepte, die die verlässliche und fachliche Grundlage für die tägliche Arbeit darstellen. Soziale Arbeit muss von entsprechend ausgebildeten und entlohnten Sozialarbeiter*innen umgesetzt werden. Weder Ehrenamtliche noch Professionsfremde, können diese Aufgabe übernehmen. Soziale Arbeit will den sozialen Zusammenhalt und sozialen Wandel fördern und nutzt hierfür verschiedene Methoden der Einzelfallberatung, sozialen Gruppenarbeit und emanzipatorische Ansätze. In der Sozialen Arbeit mit Geflüchteten bedeutet dies umfassende gesellschaftliche Teilhabe und Vernetzung zu ermöglichen, wie z.B. durch die Einrichtung von Interessenvertretungen durch Geflüchteten-Beiräte in Unterkünften und Gemeinwesenarbeit. 

„Soziale Arbeit ist eine Profession, die sich an sozialer Gerechtigkeit und den Menschenrechten orientiert“, betonte Coleen Schreiber, Vertreterin des AKS. Sie forderte die klare Festlegung und vertragliche Verankerung von entsprechenden fachlichen Standards, deren Umsetzung sich an den Bedarfen der Bewohner*innen orientiert. Die individuellen Lebenserfahrungen und vorhandene Kompetenzen müssen anerkannt und zur Grundlage für Entscheidungen sowie Entwicklung herangezogen werden.
Wie auch der Vertreter der GGB ausführte, ist angesichts unnötiger personeller Wechsel in den Teams derzeit eine professionelle Beziehungsarbeit in Gemeinschaftsunterkünften nur erschwert möglich. Der AKS unterstützt daher die Forderung der GGB die festen Teams an den Standorten auszubauen und auf den Einsatz von Springerteams im Regelbetrieb zu verzichten. 

AKS und GGB forderten die Einrichtung einer Beschwerdestelle. Diese muss unabhängig agieren, multiprofessionell zusammengesetzt sein und Interessenvertreter*innen mit einbeziehen. Die Stadt Hannover könnte so ein unabhängiges Gremium schaffen, das mit Vollmachten zur Kontrolle der Einhaltung fachlicher Standards in den Unterkünften ausgestattet wird. In diesem Zusammenhang wurde auf bereits existierende ähnliche Einrichtungen in Köln und Sachsen verwiesen. Darüber hinaus könnten das von Professorin Nivedita Prasad im Rahmen der Sondersitzung vom 16.08.2017 vorgestellte „Positionspapier zu Sozialer Arbeit mit Geflüchteten in Gemeinschaftsunterkünften“ oder auch die „Mindeststandards zum Schutz von Kindern, Jugendlichen und Frauen in Flüchtlingsunterkünften“ (BMFSFJ, UNICEF) eine gute Orientierung für ein lokales Vorgehen bieten.

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