Redebeitrag bei der Abschlusskundgebung des Aktionstages der Seebrücke Hannover zum Motto „Evakuiert die verdammten Lager – stoppt alle Abschiebungen!“ am 30.07.2020

Am 04. Januar 2019 ist unser Freund Abdoulaye Kone aus Hannover in die Elfenbeinküste abgeschoben worden. Zuvor hatte er monatelang gegen seine Abschiebung gekämpft – drei Mal konnte er seine Abschiebung verhindern. Für ihn war dieser Kampf existenziell – seine Flucht durch die Wüste und über das Meer, sein Leben in Hannover, seine Sicherheit – all das wurde ihm mit der Abschiebung genommen.

Um Abdoulayes Leben zu zerstören und ihn abzuschieben, waren sich die deutschen Behörden für nichts zu schade: Abdoulaye wurde nicht nur unschuldig im Abschiebeknast eingesperrt, sondern auch von Abschiebebeamt*innen bedroht und geschlagen. Weil die Piloten in Linienflügen keine Folter an Bord duldeten, wurde ein Flug für über 165.000 Euro gechartert.

Der Bild Hannover war dies ein willkommener Anlass, mal wieder gegen Schutzsuchende zu hetzen. In einem Artikel vom 16.01.2019 schreibt die Bild von „Luxus-Abschiebung per Privatjet“. Hier tritt ungeschminkt eine menschenverachtende Haltung zutage, die das existenzielle Leid Schutzsuchender für politische Brandstiftung missbraucht. Das Ganze, um den geifernden rassistischen Mob zu bedienen. Der Bild-Artikel wurde umgehend von extrem rechten Medien wie Junge Freiheit und PI-News sowie von der AfD für die Verbreitung ihrer rassistischen Ressentiments aufgegriffen.

Wir haben deshalb am 8. Februar 2019 mit ca. 100 Menschen die BILD-Redaktion in Hannover besucht und als folgende Worte an die reudigen Redakteur*innen gerichtet:

Die Bild schreibt über eine „Luxus-Abschiebung per Privatjet“.  

Was soll das heißen?

Die besagte Abschiebung traf zwei Menschen, die in diesem Land Schutz suchten und keinen Schutz fanden – und dennoch bleiben wollten – bleiben mussten -, weil sie um ihre Lebenschancen/ihre Leben fürchteten – und fürchten.

Für Abdoulaye Kone war und ist es KEIN LUXUS, ohne Sicherheit zu leben. Es war für ihn KEIN LUXUS, in einer Gemeinschaftsunterkunft wohnen zu müssen. Es war für ihn KEIN LUXUS, von der Ausländerbehörde zur Ausreise gedrängt zu werden. Es war KEIN LUXUS für ihn, festgenommen zu werden und dreieinhalb Monate im Abschiebeknast eingesperrt zu sein. KEIN LUXUS war es für ihn, von Abschiebebeamt*innen drangsaliert, gefesselt und geschlagen zu werden.

Abdoulaye hat sich gewehrt und dreimal seine Abschiebung verhindert. SEINE Absicht war es nicht, mit einem Charter für 165.000 Euro abgeschoben zu werden. Er wollte nicht fliegen. Er wollte bleiben. So eine existenziell bedrohliche Situation nutzt die Bild Hannover für rassistische Hetze gegen schutzsuchende Menschen. Wes Geistes Kind muss man sein, einen Abschiebeflug als Privatjet, eine Abschiebung als Luxus zu bezeichnen?

Die Bild heizt den rassistischen Mob in der sogenannten Mitte der Gesellschaft an; sie macht Geschenke an extrem rechte Akteur*innen und bereitet mit ihrer Hetze die kommenden Brandanschläge, Angriffe und Gewalt gegen Geflüchtete vor.  

Wir nehmen die menschenverachtenden Aussagen der Bild über unsere Freund*innen, Adressat*innen und all diejenigen, die in diesem Land in Unsicherheit leben müssen, nicht hin.

Die Bild habt nicht die Definitionshoheit darüber, was es bedeutet, in der Bundesrepublik als Schutzsuchende ohne Schutz zu leben, keine Privilegien zu haben und rassistischen Angriffen ausgesetzt zu sein. Die Definitionsmacht darüber, wie sich Abschiebung anfühlt, haben die betroffenen Menschen. Nicht die BILD. Die Definitionsmacht darüber, warum und wie ein Mensch dreimal seine Abschiebung verhindert, hat der betroffene Mensch. Nicht die BILD. Die Definitionsmacht darüber, wie es ist, monatelang im Abschiebeknast zu sein – nicht wegen eines Vergehens, sondern weil man in diesem Land IST – haben die betroffenen Menschen. Nicht die BILD. Die Definitionsmacht darüber, was es bedeutet, durch die Wüste und über das Meer in das feindselige Europa zu kommen, haben die Menschen auf der Flucht. Nicht die BILD.

Die Bild Hannover zündelt an allem Menschlichen, allem Emanzipatorischen und  Solidarischen. BILD hat sich von menschlichen Standards weit entfernt und dem rechten Diskurs verschrieben. Wenn es in der BRD brennt, ist die BILD Teil des Problems, nicht Teil der Lösung.

Dagegen haben wir was: praktische Solidarität. Mit Hand, Herz und Verstand: Geflüchtete unterstützen, Abschiebungen verhindern, für eine befreite Gesellschaft streiten.    

Niemand muss Bild-Redakteur*in sein.

Bleiberecht für Alle! Kein Mensch ist illegal!

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