Berichte aus der Praxis Sozialer Arbeit: Redebeitrag Nr. 1 von unserer Kundgebung

Kein zurück! – Soziale Ungleichheiten bekämpfen

Könnt ihr euch noch an unsere Reihe erinnern? In den letzten Wochen war es ja sehr still auf unserem Blog. Das lag wohl an dem sogenannten „Sommerloch“. Jetzt setzen wir unsere Reihe „Berichte aus der Praxis der Sozialer Arbeit in der Corona-Pandemie“ mit den Redebeiträgen unserer Kundgebung vom 15.08. fort. Die Kundgebung stand unter dem Titel „Kein zurück! – Soziale Ungleichheiten bekämpfen“ und gab Menschen einen Raum, die am Rande der Gesellschaft _verunsichtbart werden_, die besonders hart von der Corona-Pandemie betroffen sind, aber umso mehr entrechtet werden.Die Kundgebung wollte mit unterschiedlichen Mitteln sichtbar machen, was inmitten dieser Gesellschaft, am Rande von Kapitalismus und „Sozialstaatlichkeit“ passiert. Neben Redebeiträgen vor Ort gab es auch Audiobeiträge und visuelle Statements. In den kommenden Wochen werdet ihr alle Eindrücke zu lesen, zu sehen oder zu hören bekommen.
Heute lest ihr den Beitrag einer Obdachlosen Person:

„Aus Betroffenensicht…“

Als betroffener Obdachloser bin ich der täglichen „Beschauung“, Betrachtung und leider auch den Stigmata und der Ausgrenzung durch die sogenannte „Normalbevölkerung“, deren Bewusstsein nicht umfassen kann, was Obdachlosigkeit bedeutet, ausgesetzt.
Viele sind der Meinung, wenn sie einen Obdachlosen sehen, dass Selbige(r) „genauso, wie er/sie da steht, aus dem Mutterleib entstiegen ist und schon immer so war!! Dass hinter jedem obdachlosen Menschen auch ein individuelles Schicksal steht, was DAZU führte, ist ja erstmal egal und „kann ja nicht angehen“!!
Obdachlosigkeit ist anstrengend und ein „Fulltime-Job“! Den täglichen Anfeindungen ausgesetzt zu sein, Kommentare wie „Geh doch arbeiten“, „Selbst Schuld“, „Pennerpack“ zu hören, sind Normalität und Umgangssprache. Der Obdachlose passte einfach nicht ins gesellschaftliche Weltbild!

Es ist ein perfides Zusammenspiel mehrerer Faktoren, bis es zur Obdach – bzw. Wohnungslosigkeit kommt. Effektive Präventivmaßnahmen sind so gut wie gar nicht vorhanden. Wenn z.B. Haftentlassene bewusst in die Wohnungslosigkeit entlassen werden, weil keine Mietfortzahlung weitergelaufen ist, die „JVA-Sozialarbeit“ versagt hat. Wenn es sogenannten „Heuschrecken“ ermöglicht wird, ganze Wohnkomplexe zu erwerben und diese dann so umzugestalten, dass die Miete unbezahlbar wird, oder etwaige Schikanen/Mobbing zum Auszug bzw. Räumung führen – Gentrifizierung PUR!!!

Hannover ist die einzige Großstadt in Deutschland, wo die Unterbringung Wohnungs,- obdachloser Menschen in den Händen des „Baudezernates“ bzw. „Gebäudemanagement“ liegt, wobei DIES doch eigentlich ein Gebiet des Sozialen Ressorts sein müsste!! Da muss der Hebel angesetzt werden: Verlegung der „Unterbringung“ ins Sozialdezernat sowie bessere Vernetzung oder zuständigen Ämter!!!

Obdachlosigkeit macht krank und ist (auch!) ein psychosoziales Problem. Das beinhaltet auch die sogenannten „Notunterkünfte“ bzw. Wohnheime, deren Akzeptanz zu wünschen übrig lässt. DAS liegt vor allem an den unmenschlichen Zuständen, wie mangelnde, zu wenig bestehende Hygiene- und Waschmöglichkeiten, Massenschlafsääle OHNE jegliche Privatsphäre, Willkür des sogenannten „Sicherheitspersonals“, dessen man ausgeliefert ist! Gewalt, Diebstahl, Psychokrieg, Alkohol und Drogen sind an der Tagesordnung, wenn man bis zu 100 Menschen in riesigen, unpersönlichen Hallen zusammenpfercht. Gerade in „Coronazeiten“, wo Obdachlose Menschen KEINE Möglichkeiten des Abstandhaltens oder der regelmäßigen Hygiene haben, sich nicht „zurückzeihen“ können, muss NUN konsequent auf eine bedarfsgerechte Einzelunterbringung umgehend hingearbeitet werden!! Die Erfahrungen und Medienberichte aus der „vorläufigen Unterbringung in Jugendherberge und Hotels/Pensionen“ zeigen auf, dass, wenn Betroffene sicher und einzeln untergebracht werden, sich diese Menschen gesundheitlich und auch psychosozial stabilisieren, „zur Ruhe kommen können“ und sich dabei individuelle, positive Perspektiven entwickeln, z.B. um wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen. Zurückgewinnung der Würde, das Selbstwertgefühl steigt, Teilhabe an dem sogenannten „Normalleben“ – Diese elementaren Bedürfnisse gewinnt man zurück!
Die Entscheidungsträger stehen in der Pflicht, bezahlbaren, adäquaten Wohnraum zu schaffen!!
Es bedarf in Notunterkünften und Wohnheimen einer bedarfsgerechten, individuellen Einzelunterbringung, ein faires, menschliches Miteinander der Beteiligten wäre für Alle von Vorteil!!!

Ziele MÜSSEN sein:

I. Ein Grundrecht auf sicheres, bezahlbares, adäquates Wohnen für ALLE!!!!

II. Individuelle, bedarfsgerechte Einzelunterbringung Wohnungs- Obdachloser im sicheren menschlichen Rahmen!!!

III. Destigmatisierung der Obdachlosen Menschen in der sogenannten „Mehrheits- Leistungsgesellschaft!!

„Täglich fordern wir für uns ALLE unsere Individualität und unsere Grundrechte…

Sorgen WIR auch dafür, dass es wirklich allen so geht!!!“

…AUCH den Wohnungs- Obdachlosen und Armen MENSCHEN!!!

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