Berichte aus der Praxis Sozialer Arbeit: Redebeitrag Nr. 2 von unserer Kundgebung


Heute veröffentlichen wir den Redebeitrag von der Initiative Armut stinkt, den ein Genosse bei unserer Kundgebung am 15.8.2020 zum Motto „Kein zurück – Soziale Ungleichheiten bekämpfen“ gehalten hat.

Auch schon vor Corona waren die Zustände in den Unterkünften für obdachlose Menschen eine Katastrophe. Im Alten Flughafen werden Betroffene vom Sicherheitsdienst mit Tritten gegen das Bett geweckt. Die Menschen schlafen in einer Großen Halle mit etwa einem Meter Abstand zwischen den Betten und können erst gegen 18 Uhr in die Notschlafstelle und werden dann früh morgens wieder rausgeschmissen. All diese Zustände sind den Politiker*innen bekannt, doch Lösungen werden dafür nicht gefunden.

In letzter Minute hat die Stadt eine Anschlussperspektive an die Jugendherberge gefunden. Die 65 Menschen, die dort noch Wohnen werden nun in einem Hotel und dann in einem Gasthaus untergebracht. Die Lösung begrüßen wir.

Gleichzeitig hat die Stadt aber in ihrer Pressemitteilung klar gemacht, dass dieses Anschlussperspektive für drei Monate begrenzt sein wird. Das Problem der menschenunwürdigen Unterbringung wird wieder verschoben und vertagt. Eine Lösung muss nicht für 65 Betroffene gefunden werden, sondern für alle. Das System der Unterbringung in Hannover muss nachhaltig reformiert werden.

Die Initiative Armut stinkt, hat zu den Bedingungen in den Unterkünften geforscht. 105 Menschen, welche von Wohnungslosigkeit betroffen sind, haben bei der Umfrage teilgenommen. Die Ergebnisse zeigen, dass fast 70 Prozent der Befragten unzufrieden oder sehr unzufrieden mit ihrer Wohnsituation sind. Gewalt Erfahrung und Vertreibung scheinen Alltag für Obdachlose Menschen zu sein. Die Gesundheitliche Versorgung ist in großen Teilen nicht ausreichend.

Wir fordern, dass alle Menschen dauerhaft und langfristig in Einzelzimmern untergebracht werden. Ihre Gesundheit und Privatsphäre muss geschützt werden. Die Stadt muss Wohnungen schaffen, die Betroffene von Wohnungs- und Obdachlosigkeit beziehen können. Dabei muss es egal sein, ob es sich um Suchtkranke Menschen, Sexarbeiter*innen, Geflüchtete oder Osteuropäer*innen handelt. Jeder Mensch hat ein Recht auf Wohnen.

In der Stadt Hannover gibt es Leerstand. Dieser Leerstand kann Betroffene von Wohnungslosigkeit zur Verfügung gestellt werden. Wohnen ist Menschenrecht!

Menschen, die auf der Straße schlafen, sind um ein Vielfaches öfter von Gewalt und Vertreibung betroffen. Die Polizei muss Obdachlose Menschen schützten. Die Polizei muss wissen, wo die Platten der Betroffenen sind, nicht um diese zu Räumen, sondern um die Menschen vor Übergriffen zu schützen.

Wohnungs- und Obdachlosigkeit kann zu einem schlechten gesundheitlichen Zustand führen. Außerdem ist die Gefahr erhöht, dass Menschen Suchtkrank werden, wenn sie Wohnungslos sind. Betroffene werden häufig von Ärzt*innen nicht oder nur sehr schlecht behandelt. Die Gesundheitliche Versorgung im Wohnungslosenhilfesystem ist für die hohe Anzahl der Betroffenen schlicht zu gering. Alle Ärzt*innen sollen Wohnungslose Menschen behandeln und das Hilfesystem ausgebaut werden.

Neben Schutz und eine Wohnung brauchen Betroffene von Obdachlosigkeit eine Möglichkeit zu kochen. Durch das Leben auf der Straße ist es unmöglich Lebensmittel zu lagern und vorzukochen. In den Tagesaufenthalten sind die Kochmöglichkeiten meist zu gering.

Betroffene Menschen werden häufig stigmatisiert und ausgegrenzt. Das gesellschaftliche Klima muss gewandelt werden. Zeil ist es, dass es zu einem gesellschaftlichen Miteinander kommt und nicht zu einem gegeneinander.

Lasst uns gemeinsam für verbesserte Unterbringungsmöglichkeiten für wohnungslose und obdachlose Menschen eintreten. Wohnen ist Menschenrecht.

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