Redebeitrag zum 8. März 2021 – Feministischer Kampftag

Liebe Freund*innen und liebe Mitstreiter*innen, liebe Feminist*innen!

Heute am 8.März ist feministischer Kampftag und deshalb sind wir auf der Straße! 

Weltweit nehmen sich FLINTA* Raum, demonstrieren, streiken und fordern das längst überfällige Ende des Patriarchats. Auch in ganz Hannover legen wir gerade die Stadt lahm. Wir sind viele und wir sind stark! Gleichzeitig haben wir hier in unserem Demozug heute viel darüber gehört, wie sehr patriarchale Strukturen FLINTA* immer noch und überall in Bedrängnis bringen.  

Wohnungs- und Obdachlosigkeit ist die Konsequenz versagender politischer und gesellschaftlicher Strukturen. Auf der Straße lebende FLINTA* sind grundsätzlich besonders schutzlos und verstärkt Übergriffen ausgeliefert. Die Corona-Pandemie bedeutet eine zusätzliche Belastung, da der Zugang zu Masken, Tagestreffs und Impfungen für wohnungslose Menschen erschwert ist und es so kaum möglich ist, sich angemessen vor dem Virus zu schützen. Wir solidarisieren uns mit wohnungslosen FLINTA*, denn stay at home ist nicht möglich, wenn es kein Zuhause gibt.

Für viele FLINTA* ist jedoch auch das Zuhause ein gefährlicher Ort, wenn sie geschlechtsspezifischer, sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind. Das ist die Folge von immer noch währenden patriarchalen Verhältnissen und struktureller Diskriminierung! Wir wollen uns gegenseitig stärken und gemeinsam patriarchale Strukturen bekämpfen.

Auch Kinder, die als Mädchen* im Patriarchat sozialisiert werden, sind mit männlichem Dominanzverhalten konfrontiert. In Schutz- und Empowermenträumen der Mädchen*arbeit können Mädchen* gemeinsam Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit erleben und alternative Lebensentwürfe entwickeln. 

Sexarbeit wird immer noch anders behandelt als andere personennahe Dienstleistungen. Diese Ungleichheit hat Corona noch verschärft. Wir stehen in Solidarität dafür ein, die selbstbestimmte Entscheidung von FLINTA* Personen in der Sexarbeit zu akzeptieren und ihre Kämpfe für Gleichberechtigung zu unterstützen. Wir lassen uns nicht weiter teilen in Huren und Heilige. Denn unsere Sexualität gehört uns.

Trans*, Inter*, nicht-binäre, agender und queere Menschen, die nicht der heterosexuellen, zweigeschlechtlichen Norm der Gesellschaft entsprechen, erleben ständig und überall gesellschaftliche Diskriminierung. Für mehr queere Sichtbarkeit braucht es Räume, in denen queere Menschen sich freier bewegen, vernetzen und supporten können. 

Sich gemeinsam gegen soziale Ausgrenzung durch das Patriarchat zu stellen, ist nicht nur Teil des (queer)feministischen Kampfes, sondern auch Thema der Sozialen Arbeit.

Um weitere Orte und Strukturen, an und in denen FLINTA* benachteiligt werden und gefährdet sind, sichtbar zu machen, befindet sich in unserem Demozug ein leerer Block.

Wir solidarisieren uns mit allen FLINTA*-Personen, die heute nicht mit uns den Kampf auf die Straße tragen können. Der leere Block steht für all diejenigen, die durch das kapitalistische System auch heute zur Lohnarbeit gezwungen sind, die auch heute wichtige Carearbeit leisten, die aus Infektionsschutzgründen nicht hier sein können oder sich gefährden, wenn sie öffentlich demonstrieren. Er steht außerdem für alle FLINTA*, die das Patriarchat mit ihrem Leben bezahlen mussten.

Als Sozialarbeiter*innen sind wir häufig Stellvertreter*innen und Sprachrohr für Menschen, denen nicht zugehört wird, die durch gesellschaftliche Strukturen daran gehindert werden, für sich selbst einzutreten. Auch in diesem Sinne verstehen wir heute den leeren Block.

Bei all den Themen wurde bereits deutlich, dass die Pandemie für FLINTA* eine akute Krise ist.

Doch Corona ist im Grunde nur ein Brandbeschleuniger. Die eigentliche Krise ist das kapitalistische und patriarchale System, in dem wir leben. Es benötigt Ungleichheiten, um zu funktionieren und sichert die Vormachtstellungen derer, die sie bereits innehaben. 

Um weiter gegen patriarchale Strukturen zu kämpfen, braucht es daher gemeinsames Empowerment. So wie heute, wenn wir als only FLINTA* die vielen Kundgebungen und Demos organisieren und mit dieser Sichtbarkeit nicht nur die Straßen, sondern die ganze Stadt einnehmen.

Darüber hinaus braucht es mehr only FLINTA* Schutz- und Empowermenträume, in denen wir uns nicht vom Patriarchat unterdrücken lassen.

Diese Schutzräume zu schaffen, ist auch eine wichtige Forderung, die sich an Soziale Arbeit richtet. 

Zugleich ist auch Soziale Arbeit häufig an der Marginalisierung von Personengruppen beteiligt, gerade weil sie diese benennt und gruppenspezifische Angebote anbietet. Durch frauen- und mädchenspezifische Angebote werden diese Kategorien reproduziert und Zuschreibungen vorgenommen, die wir eigentlich dekonstruieren und abschaffen wollen. 

Trotzdem finden wir Support von FLINTA* wichtig, da gesellschaftliche Strukturen uns nach wie vor benachteiligen. Dass sich Soziale Arbeit in diesem Spannungsfeld bewegt, sollten sich Sozialarbeiter*innen bewusst machen, Angebote kritisch hinterfragen und die eigene Rolle stetig reflektieren. 

Soziale Arbeit braucht in allen Bereichen eine feministische Perspektive!

Feminismus, der eine Gleichberechtigung aller Menschen, unabhängig von Geschlecht, gender und sexueller Orientierung fordert und Kritische Soziale Arbeit, die die Unterdrückung der Menschen aufbrechen möchte, gehen Hand in Hand und haben das gleiche Ziel.

Um patriarchale Strukturen zu bekämpfen, fordern wir:

– Schutzräume für FLINTA* in sozialen Einrichtungen!

– FLINTA* spezifische Angebote für wohnungs- und obdachlose Menschen

– schnellen und einfachen Zugang zu Hilfsangeboten, Beratung und Schutz bei sexualisierter Gewalt

– einen bewussten, rassismus- und antisemitismuskritischen, intersektionalen Umgang mit Diskriminierungen  

– verpflichtende Fort- und Weiterbildungen zu geschlechter- und queersensibler Sozialer Arbeit für Multiplikator*innen

Soziale Arbeit muss feministisch sein – solidarisch, radikal und intersektional! 

Wir sind zusammen hier für ein starkes, feministisches Netzwerk! Support your local FLINTA* gang!

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